Dienstag, 24. Juli 2012

Sonntagspredigt vom 22.07.2012 - Mk 6: 30-34 - passend zur Urlaubs- und Ferienzeit

Wer keine Zeit mehr für sich hat, ist krank. Er wird sich selber verlieren. Unser heutiges Leben ist mit einem Riesenrad zu vergleichen, das sich unaufhörlich mit ständig steigender Geschwindigkeit dreht. Weil wir an dieses Rad gekettet sind, werden wir an seinem Rand geschleudert. Wir haben keinen Möglichkeit der Besinnung, der Überprüfung unserer Standpunkte, der Verarbeitung unserer täglichen Erlebnisse. So werden wir immer leerer, Seele und Leib werden zerrissen. Gegen eine solche den Menschen zerstörende Entwicklung lädt Jesus uns ein:
Kommt und ruht ein wenig aus. Dieses Wort passt auch gut in die Urlaubs- und Ferienzeit.
Am letzten Sonntag haben wir gehört, wie Jesus seine Jünger ausgesandt hatte, um den Menschen die Frohe Botschaft zu verkünden, Im heutigen Evangelium haben sich die Jünger, reich an Erlebnissen, um Jesus versammelt. Wir erfahren nicht, was Jesus zu den einzelnen Berichten seiner Jünger gesagt hat. Es heißt da nur: „Kommt mit an einen einsamen Ort, wo wir allein sind, und ruht ein wenig aus.“
Wahrscheinlich waren die Jünger gar nicht so begeistert von diesem Angebot. Sie hätten viel lieber geredet und diskutiert. Sie waren so richtig aufgedreht. Aber Jesus weiß, dass man so nicht vernünftig leben und arbeiten kann. Irgendwann brennt da die Sicherung durch, und dann reden wir von Leuten, die ausgebrannt sind. Die waren mal voller Begeisterung, aber dann war auf einmal die Luft raus und keiner kann so richtig sagen, wie das gekommen ist. Leute, die sich mal wirklich für andere eingesetzt haben, sind plötzlich voller Verbitterung und Lustlosigkeit. Wir sind dann schnell versucht, den bekannten Stress verantwortlich zu machen. Aber das ist wohl nur die Oberfläche. Darunter steckt wohl noch etwas anderes.
Es ist auffällig, wie Jesus die Erfolgsberichte seiner Jünger nicht besonders wichtig nimmt. Er hält kein Apostel-Konzil und auch keine Missionssynode. Er geht mit seinen Jüngern in eine einsame Gegend, wo nichts los ist. Da können sie den ganzen Tag von ihren Heldentaten erzählen und es wird sie niemand bewundern. Deswegen werden sie dann wohl auch bald still werden und zur Ruhe kommen. Und wahrscheinlich werden sie auch bald darauf kommen, dass sie nichts Besonders tun. Jeder Mensch tut schließlich seine Arbeit und jede Arbeit hat ihren Sinn für die Gemeinschaft. Worauf es ankommt, ist noch etwas anderes.
Zu einem Einsiedler kommt ein junger Mann und fragt ihn: „Welchen Sinn hat die Stille?“ Der Einsiedler schöpft gerade Wasser aus dem Brunnen. „Schau in den Brunnen“, sagt er, „was siehst du?“ Der Junge blickte in den Brunnen: „Ich sehe nichts.“ Nach einer Weile fordert der Einsiedler ihn wieder auf: „Schau in den Brunnen, was siehst du?“ Der junge Mann blickt hinunter und sagt: „Jetzt sehe ich mich selbst.“ „Siehst du“, spricht der Einsiedler, „als ich Wasser schöpfte, war es unruhig, und du sahst nichts. Jetzt ist das Wasser still, und du siehst dich selbst. Das ist der Sinn der Stille.“ Ja, wenn ich mich selbst in Ruhe sehen kann, werde ich auch den angemessenen Abstand gewinnen können, um die Koordination meines Lebens neu zu bestimmen. Dazu muss ich die Raststätten meines Lebens aufsuchen, um aufzutanken, Zeit zu haben und mir auch zu lassen.
Die Aufforderung Jesus zu Ruhe will dem Menschen helfen, sich selber anzuschauen und zu erleben. Sicherlich darf sich jemand da auch freuen über das, was er leistet oder geleistet hat. Aber das Entscheidende ist das nicht. Der Mensch wird nicht erst wichtig durch das, was er leistet. Der Mensch ist wichtig, weil er jemand ist; eine ganz einmalige Person, die ihr Leben als Geschenk von Gott empfangen hat.
Und es ist wichtig, dass jeder Mensch das in seinem Leben zu spüren bekommt: Du bist von Gott gewollt noch vor jeder Leistung, die du erbringen kannst. Es wäre sicher für uns alle sehr heilsam, wenn wir spüren würden in den Augenblicken, in denen wir zu Ruhe kommen, um bei uns selbst und bei Gott zu sein. AMEN

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