Donnerstag, 1. Oktober 2015

Mesnerin Annemarie Hochwimmer im Interview

Mesnerin Annemarie Hochwimmer im Interview mit Pastoralassistent Ruben Weyringer.

Ruben: Liebe Annemarie, du bist nun seit über 30 Jahren Mesnerin in Neukirchen. Wie bist du eigentlich dazu gekommen?

Das ist witzig zu gegangen. Die Pfarre hat einen Ausflug zu den Passionsspielen nach Erl gemacht und da waren noch Plätze frei, und da bin ich mitgefahren. Beim Busfahren wird immer viel geredet und da hat der Herr Pfarrer Zauner gesagt, dass sie eine Mesnerin suchen. Durch meinen Übermut habe ich gesagt: das mache ich ja locker. So ist das eigentlich entstanden. Ich habe ja nicht im ernst daran geglaubt, dass er wirklich zu mir kommt.
Aber er ist nach zwei Tagen gekommen.Da ist es ernst geworden. Da habe ich schon ziemlich Herzklopfen bekommen denn ich habe ja null Ahnung von dem ganzen gehabt. Ich bin zwar am Samstag in die Messe gegangen, aber auch noch nicht so lange.

Und dann hat er gesagt: „Naja wenigstens in der Woche einmal, die Kirche ein wenig saugen“. Da hab ich gesagt, dass tu ich euch wohl, da helfe ich euch schon. Und dann ist es los gegangen mit dem ersten Kirchenputz zu Erntedank. Da habe ich den ersten Einblick bekommen und hab mir gedacht: Ojemine; viel! Aber ich hatte schon ja gesagt. Dann ist es zu den Messen gekommen. Die Martina hat mir alles gezeigt, und so ist es weitergegangen. Und ich war noch gar nicht so lang dabei da hat er mich auf Seminare nach St. Virgil geschickt. Da hat mir das alles so richtig Spass machen angefangen. Und so ist das ganze entstanden.
Und ich habe das alles nie bereut.


Was gefällt dir an der Mesnerei?

Ich bin einfach so hinein gewachsen, das gehört schon zu meinem Lebensinhalt. Und vor allem auch die Leute, ich habe so viel Leute um mich herum. So wie jetzt mit meiner Krankheit, da sagen mir Menschen „wir beten für dich und wir beten für dich“. Ich habe Kontakt zu Menschen, zu denen ich sonst wahrscheinlich keinen hätte.
Ich bin natürlich auch im Glauben gewachsen. Eigentlich aus dem nichts heraus, Schritt für Schritt, für mich waren das riesen Schritte in diesen dreissig Jahren die ich gemacht habe. Immer noch zu wenig aber bei mir geht das nicht so schnell. An Gott habe ich immer geglaubt, aber anders halt.

Der Glaube ist tiefer geworden? 

Ja, ganz anders ist er geworden. Besonders durch die Leute, die ich kennen gelernt habe, von denen ich weiss, die reden nicht nur sondern leben das auch. Dadurch ist der Glaube tiefer geworden.

Pfarrer Zauner hat dir damals sehr viel zugetraut.

Ja er hat mir viel zugetraut. Es haben auch einige gesagt, „Bua, die wirst du nicht lange haben“, aber er hat sich nicht beirren lassen. Und nun bin ich dreissig Jahre da.

Gibt es im Kirchenjahr einen Höhepunkt für dich, etwas das dir Freude macht oder dir nahe geht.

Annemarie schmückt Erntedankaltar
Weihnachten ist für mich so ein besonderes Fest. Die Kirche wird zuerst einmal komplett anders her gerichtet. Unsere Kirche ist so schon nicht groß und sehr heimelig, und zu Weihnachten ist sie noch einmal heimeliger, durch die Bäume und alles was wir tun. Da arbeiten wir zu dritt oder viert den ganzen Tag.
Dann haben wir die Roraten am Mittwochabend mit den Kerzen, da ist die Stille, da wird es richtig warm im Herzen. Ich mag sowieso das Stille gerne. Ich bin auch gerne selber alleine in der Kirche wenn alles zu gesperrt ist. Da bin ich dann einfach da, da fällt mir immer die Geschichte ein vom Bauern beim Pfarrer von Ars, der lange in der Kirche sitzt und darüber nur sagt: „Er schaut mich an und ich schaue ihn an“. Da habe ich das Gefühl, da ist wirklich wer da. Da rede ich mit dem lieben Gott oder sitze einfach nur da. Für mich ist das einfach gut.

Wenn du bei der Kindermette das Jesuskind herein bringst und es in der Kirchenmitte mir gibst und ich leg es dann in die Krippe, dass gefällt uns beiden so gut.

Das ist etwas ganz besonderes. Das Jesuskind, sicher ist es eine Puppe, aber wenn ich es ein Stück nach vorne trage und wenn die kleinen Kinder dann schauen, dann ist das für mich so schön. Ich trage es bewusst so, dass die Kinder es sehen und sie schauen und schauen und die Mamas sagen „Schau mal jetzt kommt das Jesuskind“. Und da sind die Kinder auch viel ruhiger und aufmerksamer als z.B. beim Hirtenspiel, das ist ganz interessant. Für sie ist das wohl auch so: jetzt
kommt, das Jesuskind, dass ist der Höhepunkt. Ich kann es nicht genau beschreiben, was mich da so berührt, vielleicht kannst du das ergänzen, weil es dir ja auch so nahe geht.

Ich finde den Gedanken dahinter so unglaublich schön: Gott, er ist so groß er ist so gewaltig…

…und dann trägst du so ein kleines Kind nach vorne…

...Ja, Gott begegnet uns in diesem Kind, er ist nicht nur groß und allmächtig, sondern er macht das er so klein wird. Und so ein Kind ist so etwas süßes und zartes, und so kommt Gott auf die Welt zu uns, und dann kommen die Hirten und die Könige und die Schafe.

Hast du etwas für dein eigenes Leben durch das Mesnern gelernt?

Annemarie und Pfarrer begutachten Blumenschmuck
Ja, du lernst sehr viel. Es wird dein Leben grundsätzlich ein bisschen anders. Es gelingt dir nicht immer alles, aber auch wieder sehr viel, was du zuerst nicht geglaubt hättest.
Man lernt auch die Menschen mehr so zu akzeptieren wie sie sind. Mein Vater hat immer den Spruch getan: Bei betenden Leuten und bei schlagenden Rössern musst du aussstellen. Und du bleibst hängen bei solchen Sachen. Aber durch die Arbeit merkst du, dass es sehr viele andere Menschen auch gibt. Betende Leute die keine schlagenden Rösser sind. Auf die du zählen kannst. So habe ich gelernt, dass man nicht so leicht urteilen soll, weil es doch so viele gute Menschen gibt. Fehler werden wir alle immer wieder machen, aber man soll nicht so leicht urteilen darüber ob wer gut oder schlecht ist.

Durch das Mesnern hast du über die Menschen etwas gelernt, du hast über Gott viel gelernt, hast du auch über dich selber etwas gelernt?

Ja, viel. Etwa das du manche Sachen kannst, wo du vorher gar nicht meinst, dass du es kannst, weil du gar nicht daran denkst.

Danke liebe Annemarie für deinen Dienst für unsere Gemeinde.

Mir ist noch wichtig mich bei Ernst zu bedenken. Wenn ich ihn nicht hätte, dann hätte ich wahrscheinlich schon aufhören müssen. Er ist wirklich eine große Stütze, besonders bei den Reinigungsarbeiten und den Vorbereitungen auf die großen Feste. Und auch Schöppl Helga ist so eine große Stütze. Auf Sie kann ich zählen. Sie hilft immer und springt ein wenn es nötig ist.

(aus Pfarrbrief Herbst 2015)


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