Freitag, 13. Mai 2016

Geheilte Vergangenheit - Pfingsten C, Johannes 20,19-23

Evangelienkommentar zu Pfingsten (Joh 20,19-23)
Geheilte Vergangenheit
Im heutigen Evangelium erfüllen sich mehrere Verheißungen Jesu. Das erste Wort des Auferstandenen ist: „Der Friede sei mit euch.“ Als Jesus die Jünger aussandte, hatte er ihnen aufgetragen, wenn sie in ein Haus kämen diesem den Frieden zu wünschen (Mt 10,12). Was er ihnen auftrug erfüllt er selbst.
Nachdem Jesus den Jüngern seine Hände und seine Seite zeigte, freuten sie sich. Auch diese Freude erfüllt ein Versprechen Jesu welches er ihnen kurz vor der schweren Stunde des Abschieds gab: „Ich werde euch wiedersehen; dann wird euer Herz sich freuen und niemand nimmt euch eure Freude“ (Joh 16,22). Diese trostreichen Worte dürfen wir sicher auch auf uns beziehen, wenn wir schwere Zeiten durchmachen.
Und dann erhalten die Jünger den bereits versprochenen Beistand, den Heiligen Geist durch die Anhauchung Jesu. Warum bekommen die Jünger den Heiligen Geist zweifach, einmal vor der Himmelfahrt Jesu (heutiges Evangelium) und dann noch einmal zu Pfingsten (1. Lesung)? Dazu bemerkt der heilige Gregor: „Weil es ein zweifaches Liebesgebot gibt, Gott zu lieben und den Nächs-ten zu lieben. Der Geist um unseren Nächsten zu lieben wird auf Erden gegeben, der Geist um Gott zu lieben vom Himmel aus [...]denn durch die Liebe zum Nächsten lernen wir Gott zu lieben“ (nach der Catena Aurea).
Besonders eindrücklich sind die Wundmale am Leib des Auferstandenen. Warum hat Jesus sie noch?
Er hat doch den neuen, den Auferstehungsleib, der von keiner Vergänglichkeit, keinem Leid, keinem Schmerz mehr betroffen ist? Und doch trägt er die Wundmale. Mehr noch: Die Wundmale sind sein Erkennungszeichen, daran erkennen die Jünger Jesus.
Die Wunden des Auferstehungsleibes schmerzen nicht mehr, aber sie sind da.
Vielleicht bedeuten sie, dass unsere Geschichte in der Auferstehung ein Teil von uns bleibt. Was wir waren und erlebt haben wird nicht ausgelöscht. Wir bleiben wir selbst. Gott hat uns als einzigartige Personen geschaffen, und als solche holt er uns auch zu sich. Wir behalten unsere persönliche Geschichte, doch aller Schmerz und alle Trauer werden von uns genommen. Unsere Vergangenheit wird bei Gott geheilt.

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