Predig gehalten anlässlich eines Begräbnisses am Aschermittwoch 2012 zu Deuteronomium 30,15-20 (siehe unten)
Das
irdische Leben geht zu Ende.
Irgendwie
verläuft es sich im Vergehen der Stunden, der Tage, der Jahre.
Dies
erfährt jeder mit zunehmendem Alter.
Dieser
klare Schlusspunkt unseres Daseins, den der Tod setzt,
hat
etwas sehr bestimmendes in unserem ganzen Leben.
Der Tod
verleiht dem Leben Kontur, könnten wir sagen, das Gezeichnetsein von
Endlichkeit.
Dass
dies so ist und dass wir nicht kompliziert denkend dies uns im Bewusstsein
halten müssen, weiß die Kirche um klare Symbole, die sie den Glaubenden vor
Augen führt – oder besser auf die Stirn zeichnet.
Deutliches
Zeichen unseres Vergehens ist das Aschenkreuz.
Heute
ist auch der Tag hiefür.
Und
jeder halbwegs wache Christ weiß auch, dass die Asche aus den verbrannten
Zweigen des Palmsonntags besteht und zugleich auf das Verstummen und Verenden
jedes irdischen Ruhmes hier auf Erden verweist.
Die
Asche, mit der wir uns an diesem Tag bezeichnen, birgt auch keinen Hauch eines
Funkens mehr in sich.
Bleibt
dies vom Menschen?
Ohne den
Lebensfunken wird der Mensch selbst zu Staub, kehrt zurück zur Erde, die in
ihrer Gesamtheit letztlich auch dem Verwehen und Vergehen geweiht ist.
An
diesem Tag und gerade auch in dieser Stunde müssen wir uns wieder daran
erinnern, woher das Leben stammt und wohin es zieht und uns fragen: wohin es zielt.
Und das
wesentliche des Worin unseres Lebens ist dann, wofür es den Entscheid trifft.
Entblößender
kann dieser Entscheid uns nicht vorgezeichnet werden als in dieser Lesung aus
dem Buch Deuteronomium.
Leben
und Glück oder Tod
und Unglück wird uns hier - sozusagen zum Entscheid - vorgelegt.
Dabei
kommt es nicht darauf an, ob wir innerweltlich Glück oder Unglück in einem sehr
verflachten Sinn hatten.
Das,
worin es in dieser Lesung geht ist genau jenes, worin es in unserem irdischen
Leben in seiner Gesamtheit geht!
Dass wir
uns zu unserem Leben entscheiden, genau zu dem Leben, das wir erhalten haben
und: dass wir uns zu dem entscheiden, der dieses unser Leben uns gab – ja wir
müssen sagen uns schenkte!
So sind
wir selbst uns geschenkt und einzig und allein darin liegt der Sinn, dass wir
uns dem schenken, dem wir uns verdanken – Gott!
Damit
können wir noch einmal die wesentlichen Worte der Lesung hören:
Leben oder Tod lege ich dir
vor,
Segen oder Fluch.
Wähle also das Leben, damit du
lebst.
Liebe den Herrn, deinen Gott,
hör auf seine Stimme,
und halte dich an ihm fest;
denn er ist dein Leben.
Auf den
heutigen Tag und auf diese Stunde bezogen:
Genügt
dir die Asche?
Kann es
sein, dass nur Verwehen, Vergehen und Zerfall uns bliebe?
Die
Asche ist nur Mahnung, vielleicht sogar grausame Mahnung – aber dafür anschaulich
und eindeutig.
Weckruf
zum Entscheid für das Leben ist sie, für das ewig sich nicht verzehrende Feuer.
Gott
schenkt uns Anteil an diesem seinem ewigen Leben, wenn unser Sinnen und
Trachten, all unser Ziehen und Zielen auf ihn hin sich richtet.
Wenn ihm
unser ungeteiltes und eindeutiges JA gilt.
Ansonsten
bleibt nur Asche, die verweht, Staub, dem kein Halt eignet.
Heute
ist die Verführung an falsche Götter groß.
Unmerklich
haben viele, die noch Christen heißen, sich schon längst an Götter aus Staub
und Asche festgeklammert.
Oder
benennen das, was sie für göttlich halten ganz heimlich und geheimnisvoll mit
eigenem Namen – ihr inneres Selbst.
Hoffentlich
wachen sie auf!
Dabei
brauchen wir nur einen Namen rufen, um ganz mit Gott und bei Gott zu sein: Jesus
Christus.
In ihm
ist das Leben und er lebt in uns, wenn unser Sinnen und Trachten liebend ihm
gilt.
Einige
Male habe ich unserer Schwester die Kommunion, das Brot des Lebens bringen
dürfen, nachdem ihr der Weg hierher in das Gotteshaus zu mühsam geworden war.
Ich habe
jedes Mal gespürt, wie froh sie ist, den Herrn zu empfangen.
In ihr
lebte der Glaube und daher sie mit Christus.
Auch
beim letzten Mal im Krankenhaus –
Ich kann
mich wieder genau erinneren – sie hat schon geschlafen und dann habe ich sie
aufgeweckt.
Wie
dankbar war sie – aber nicht mir gegenüber, sondern Christus dem Herrn.
Wer an
Christus glaubt, der zerfällt nicht zu Staub, der wird erweckt zum Leben.
Achten
wir darauf, dass unser Leben wirklich bleibende Entscheidung für Christus ist.
Amen!
Pfarrer Helmut Friembichler
Deuteronomium 30,15-19
"Hiermit lege ich dir heute das Leben und das Glück, den Tod und das Unglück vor.
Wenn du auf die Gebote des Herrn, deines Gottes, auf die ich dich heute verpflichte, hörst, indem du den Herrn, deinen Gott, liebst, auf seinen Wegen gehst und auf seine Gebote, Gesetze und Rechtsvorschriften achtest, dann wirst du leben und zahlreich werden und der Herr, dein Gott, wird dich in dem Land, in das du hineinziehst, um es in Besitz zu nehmen, segnen.
Wenn du aber dein Herz abwendest und nicht hörst, wenn du dich verführen lässt, dich vor anderen Göttern niederwirfst und ihnen dienst - heute erkläre ich euch: Dann werdet ihr ausgetilgt werden; ihr werdet nicht lange in dem Land leben, in das du jetzt über den Jordan hinüberziehst, um hineinzuziehen und es in Besitz zu nehmen.
Den Himmel und die Erde rufe ich heute als Zeugen gegen euch an. Leben und Tod lege ich dir vor, Segen und Fluch. Wähle also das Leben, damit du lebst, du und deine Nachkommen."
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen